18.01.2006 Stuttgarter Stadtanzeiger
Nachhilfe als Geschäftsidee
Die »Schüler-Arena« in Kornwestheim: »Lokales Kapital für soziale Zwecke« ist gut angelegt
Mit »Lokalem Kapital für soziale Zwecke« hat Ibrahim Soyal in der Kornwestheimer Weststadt die »Schüler-Arena« aufgebaut. Schüler aus dem ganzen Kreis und auch aus Stuttgart holen sich bei ihm Nachhilfe.
Von Joachim ScheibleKornwestheim. Ganz langsam und konzentriert versucht der zwölfjährige Bilal dem Zirkel Herr zu werden. Doch die Kreise in seinem karierten Matheheft wollen nicht so recht rund sein. »Du musst den Zirkel tiefer ins Papier stechen und einfach nur den Griff drehen«, erklärt ihm Michael Kohlenbecker, der Bilal gegenüber sitzt. Kohlenbecker ist einer von fünf regelmäßig unterrichtenden Lehrern der der »Schüler-Arena«, die dort regelmäßig Nachhilfe vor allem für ausländische Schüler geben. »Ansonsten mache ich gerade meinen Abschluss an der Uni«, sagt der Maschinenbaustudent.
Einer der fünf Lehrer ist der Inhaber der »Schüler-Arena« selbst: Ibrahim Soyal hat das kleine Unternehmen in Kornwestheims Weststadt gleich hinter dem Bahnhof im September 2005 gegründet - mit Hilfe des Programms »Lokales Kapital für soziale Zwecke«. Die Weststadt war im September 2003 in das vom Europäischen Sozialfonds unterstützte Programm aufgenommen worden. Das Geld wird von der Bundesregierung zugeteilt.
»Wir haben den Maximalsatz von 100.000 Euro bekommen«, betont Werner Ott vom Bauverwaltungsamt der Stadt. Das Geld hat die Behörde in 20 so genannte Mikroprojekte zur sozialen und beruflichen Integration gesteckt, darunter die »Schüler-Arena« von Ibrahim Soyal. Denn dessen Geschäftsidee verbindet beide Grundsätze: Zum einen bedeutet sie eine Existenzgründung, zum anderen verfolgt sie einen sozialen Zweck.
In insgesamt 19 Kursen für Schüler aller Schulformen und aller Klassenstufen gibt die »Schüler-Arena« Nachhilfe. Berufsschüler sind also ebenso willkommen wie Hauptschüler, Realschüler, Sonderschüler oder Gymnasiasten. Die können sowohl einzeln als auch in Gruppen unterrichtet werden. »Im Gruppenunterrichtet achten wir aber darauf, dass die Altersunterschiede nicht zu groß sind«, erläuert Soyal. Mindestens drei Monate sollte ein Schüler seine Nachhilfe in Anspruch nehmen, damit ein Erfolg sichtbar wird.
21 Schüler kommen derzeit regelmäßig in die Poststraße 12, auch aus umliegenden Orten wie Asperg, Hemmingen, Zuffenhausen oder dem Stuttgarter Hallschlag. »Die meisten kommen wegen Mathe und Deutsch«, erzählt der 29-jährige Diplom-Betriebswirt. Denn viele sind Ausländer, die mit der Sprache ihres Gastlandes große Schwierigkeiten haben. »Man muss aber Deutsch können, um in allen anderen Fächern zu bestehen«, erklärt Soyal.
Er selbst kann Deutsch problemlos unterrichten. 1976 kam er als drei Monate altes Baby mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland - direkt nach Kornwestheim. »Ich bin ein Kind der Weststadt und kenne hier praktisch jeden«, sagt Soyal und freut sich, dass er »sein Geschäft« in »seinem Kiez« aufmachen konnte. Und es dauert wohl nicht mehr lange, dann trägt es sich auch: »30 Schüler müssen regelmäßig kommen, dann verdiene ich etwas daran.«
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