13.01.2006 Marbacher Zeitung
Alte Post wird zur Schule
Projekte gehen in dritte Phase
Kornwestheim. Obwohl Ibrahim Soyal schon 29 Jahre alt ist, hat er am 12. September 2005 noch einmal seinen ersten Schultag gefeiert. Während die ABC-Schützen erstmals die Grundschule besucht haben, hat Soyal seine Nachhilfeschule eröffnet - als Förderprojekt.
Von Gaby Mayer-GrumDen Traum von der Selbstständigkeit hat Ibrahim Soyal schon lange gehegt. Dass es so schnell klappen könnte, hatte der gebürtige Türke dagegen nicht erwartet. „Ich hatte das Startkapital nicht", sagt der 29-Jährige. Da konnte ihm die Stadt Kornwestheim helfen. Aus dem Topf des Programms „Lokales Kapital für soziale Zwecke" des Europäischen Sozialfonds wurde der Existenzgründer unterstützt.
Die Stadt, die zum dritten Mal mit dem Sanierungsprogramm „Soziale Weststadt" in das Förderprogramm aufgenommen wurde, hat erneut 100000 Euro für so genannte Mikroprojekte zur Verfügung. Maximal 10000 Euro werden in ein Mikroprojekt gesteckt, das der sozialen und beruflichen Integration der Weststadtbewohner dienen soll. Auch Ibrahim Soyals Nachhilfeschule, die Schüler-Arena, gilt als ein solches Projekt. Schulbücher und ein wenig Mobiliar hat der Diplom-Betriebswirt von den Fördermitteln angeschafft, einen Teil der Miete bestreitet er außerdem mit dem Geld. Die Räume seiner Schule, die im alten Postgebäude in der Poststraße untergekommen ist, hat er selbst renoviert. „Das war alles eine große Halle", sagt Soyal. Wände hat er eingezogen und so aus dem großen Raum kleine Klassenzimmer gemacht, in denen Kinder einzeln oder in Gruppen mit maximal fünf Schülerinnen und Schülern unterrichtet werden. Möglichst klein sollten die Gruppen gehalten werden, hat Soyal in seiner langjährigen Praxis als Dozent einer privaten Schule und Nachhilfelehrer gelernt, „sonst kommt auch der Nachhilfelehrer ganz schön ins Schwitzen“. Auf dem Stundenplan stehen alle Schulfächer, angeboten wird Unterricht für Schüler alle Klassenstufen und aller Schultypen. Vier Lehrer - hauptsächlich Studenten, aber auch Akademiker - kümmern sich derzeit um die Kinder, die ein bis zwei Mal in der Woche in den Unterricht kommen. Auch Ferienkurse und Prüfungsvorbereitung hat Soyal im Angebot. Die meisten Schülerinnen und Schüler brauchen Hilfe in Mathe, berichtet der 29-Jährige, viele der Kinder - die meisten seiner Schüler kommen aus der Weststadt - hätten aber auch Schwierigkeiten mit Deutsch. „Da hapert's bei vielen schon in der Grundschule, ist Soyals Erfahung, „und Deutsch ist eben die Voraussetzung, um die anderen Fächer zu verstehen."
21 Schülerinnen und Schüler der dritten bis zehnten Klasse besuchen derzeit die Schüler-Arena. 30 müssten es sein, hat sich Ibrahim Soyal ausgerechnet, dann könnte er auch ohne Fördermittel auf eigenen Füßen stehen und von seiner Schüler-Arena leben.
Bereits seit 2003 werden Kornwestheimer Projekte der sozialen Weststadt vom europäischen Sozialfonds bezuschusst, über 20 Mikroprojekte - vom Deutschkursus für ausländische Mütter bis zum Gymnastiktreff - sind seitdem gefördert worden. In der aktuellen Forderperiode kommen insgesamt zwölf Projekte in den Genuss einer Finanzspritze. Das Programm, initiiert vom Bundesfamilienministerium, läuft noch bis 2007.
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